Das Studio 54

Ein Schuppen an der New Yorker West 54th Street stand, wurde in den zweieinhalb Jahren seines Bestehens so legendär wurde, dass sein Name noch heute mit einer unvergleichlichen Symbolik des Exzesses aufgeladen ist.

Gut, „Schuppen“ mag als Bezeichnung für eine derart große Diskothek unangemessen erscheinen, doch andererseits drückt er gewissermaßen auch das Moment des Provisorischen aus, das die Führung des Studio 54 ihrem Lebenswerk als Begleiter auferlegte, der den Laden letztlich auch zu Fall bringen sollte. Denn nicht nur die Exzesse waren legendär und mal dies-, häufig jenseits der Grenzen des Gesetzes; auch die Buchführung hatte, sagen wir, ihre dubiosen Momente.

Popstar und Dorn im Auge

Der Club selbst war definitiv ein Star – und war berüchtigt für seine rigide Türpolitik. Nicht jeder sollte nämlich Einlass erhalten, man musste schon ein großer Star sein oder sich, wie auf der Eintritsskarte stand, spektakulär kleiden. Das mussten bei einer Silvesterfeier selbst Nile Rogers und Bernard Edwards von der Gruppe Chic am eigenen Leibe erfahren, als Grace Jones vergessen hatte, die beiden auf die Gästeliste zu setzen, ihnen der Eintritt verwehrt wurde, auch wenn ihre Musik drinnen regelmäßig gespielt wurde. Immerhin entstand aus dieser Episode eine frustrierte Jam-Session, aud der heraus der Welthit „Le Freak“ geboren wurde, in dessen urprünglicher Version es freilich nicht „freak out“ heißt, sondern „fuck off“. Verständlich, dass man in Rage gerät, wenn einem vielleicht eine der legendärsten Partys überhaupt entgeht. Was Rang und Namen hatte, war dort: Mick Jagger, Grace Jones, Andy Warhol und sein Umfeld, Truman Capote, Schwarzenegger und Stallone, um nur einige zu nennen. Doch das Etablissemen war nicht nur bekannt für den hohen Celebrity-Anteil unter den Besuchern, sondern auch für seine Sex- und Drogenexzesse. Das ging noch, wusste man ja noch nichts von AIDS. Trauriger Weise verbeitete sich die Immunschwäche an solcherlei Orten natürlich – und so starb Mitbegründer Steve Rubell 1989 an der Krankheit. Das Studio schloss allerdings zehn Jahre zuvor. Nicht wegen der zutiefst unbürgerlichen Moral, die im Schwange war und manch einem ein Dorn im Auge war, sondern weil die Buchführung der Geschäftsleitung auch nicht unbedingt des Vorstellungen des Gesetzgebers entsprach: die Betreiber wurden wegen Steuerhinterziehung eingekerkert und die Disco geschlossen.

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